Sonderpreis der Lit Eifel

„Trau Dich, die Tür zu öffnen“

Shervan, Ziad, Mohamad und Tenzing gewinnen den Sonderpreis der Lit Eifel

„Als die Tür des Flugzeugs sich öffnete, freute ich mich sehr über die frische Luft und das Land der Freiheit. Und natürlich freute ich mich, meinen Vater nach zwei Jahren zu sehen. Dann habe ich mit einem neuen Leben angefangen. Nach vier Jahren ging ich wieder zur Schule.(…)“

So beginnt Ziad seine Kurzgeschichte mit dem Titel „Eine Tür in die Freiheit“, die er im Sommer beim Jugendliteraturpreis der Lit Eifel einreichte. Er berichtet darin von seiner Ankunft in Deutschland und der Klassenfahrt nach Holland, gleich in der 2. Schulwoche, seinem Staunen über das Watt (Das Meer war ganz anders als das Meer, das ich aus dem Irak kannte, es gab kein Wasser.) sowie von den positiven Erfahrungen mit der neuen Klasse, die ihn beim Schwimmenlernen unterstützte.

Mit ihren Kurzgeschichten haben die 4 Schüler aus der 9c/f die Jury im 6. Eifeler Jugendliteraturpreis überzeugt und den Sonderpreis Integration erhalten.

Die Geschichten sind knapp und eindringlich geschrieben, alle 4 berichten über eine Tür, die sich bei der Ankunft in Deutschland öffnet.

Shervans Erzählung „Das Leben ist nicht immer schön“ beginnt schon vor 9 Jahren:

März 2010   Aleppo, Syrien

Ich sah Fernseher als abends in den Nachrichten von einer Demonstration berichtet wurde. Die Soldaten haben auf die Demonstranten geschossen in Daraa, Syrien und langsam wurde es schlimmer und ein paar Monate später war Krieg zwischen Zivilisten und Armee überall in Syrien und dann mussten wir von Aleppo weg. Wir sind zu unserem Dorf gefahren in Afrin.

Auch Mohamad berichtet in „Eine Tür in die Sicherheit“ von seiner Familie: 

(…) Ich habe 5 Schwestern und einen Bruder. Meine Mutter wollte nicht, aber in der Nacht hat sie über unsere Zukunft nachgedacht. Mein Vater rief Freunde in der Türkei an, damit sie uns ein Haus vermieten. Nach 3 Stunden rief Vaters Freund zurück und am nächsten Tag packten wir unsere wichtigen Sachen. Meine Mutter hat gekocht und wir haben uns von unseren Nachbarn verabschiedet. Dann fuhren wir und wir weinten alle. Nach drei Stunden wurde es dunkel und wir fuhren auf einer Bergstraße… (…)

Tenzing hatte einen weiten Flug hinter sich, als sich die Tür öffnete: „Ich freute mich auf Deutschland. Zu Hause in Rajpur hatte ich schon ein paar Sätze in Deutsch geübt, zum Beispiel die Begrüßung und wie ich mich vorstelle.

Nach 8 Stunden über Land, Meer und Wolken landeten wir in Deutschland, Frankfurt.

Ich sah aus dem Fenster,  da waren viele Flugzeuge, das große Terminal und viele Arbeiter. Die Flugzeuge waren viel größer als in Indien.

Die Jungs haben einen halben Tag im Naturhochseilgarten in Nettersheim gewonnen, natürlich im Frühling!

Wer die Erzählungen ganz lesen möchte, findet das Buch mit allen eingereichten Geschichten bei unserem Schulleiter im Büro zur Ansicht, aber auch im Sprachpatenraum 2 hängt ein Ausdruck aller 4 Kurzgeschichten.

Jutta Schäfer