Stolpersteinverlegung

Der Künstler Gunter Demnig erinnert seit 1992 an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Bürgersteig einlässt. In mehr als 20 Ländern Europas und in 1265 Kommunen Deutschlands wurden bereits Stolpersteine verlegt, dazu gehört seit vielen Jahren auch die Kreisstadt Euskirchen.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Gunter Demnig. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.

Am 29. Mai 2019 wurden auch in Euskirchen erneut Steine verlegt. Gunter Demnig hatte an diesem Morgen weitere 28 Stolpersteine in der Innenstadt für Opfer des nationalsozialistischen Regimes gesetzt.

Diesmal waren auch Sechstklässler unserer Schule aktiv an der Verlegung der Stolpersteine beteiligt und hatten sich mit der Geschichte ermordeter Juden befasst.

Die Schüler hatten sich in drei Klassen mit den Stolpersteinen, den Hintergründen und den NS-Opfern auseinandergesetzt. „Die Kinder kennen jetzt die Geschichte der Familien“, sagte Lehrerin Kirsten Steiner, die das Projekt federführend betreute. „Viele der Schüler stammen aus Familien, die ihre Wurzeln im Ausland haben.

„Wir finden es wichtig, dass sie unsere Erinnerungskultur übernehmen und wissen, dass es Zeiten gab, in denen hier Menschen wegen ihrer Religion verfolgt wurden.“ Steiner erzählte auch, wie die Sechstklässler „auf den Knien lagen“, um die Stolpersteine zu schrubben: „Das war ein wunderbares Miteinander.“

Die drei Klassen hatten als Paten drei Stolpersteine finanziert, und zwar jene für drei Kinder: Felix, Hanna und Leo Orchan, die mit ihren Eltern Jakob und Lisa in der Hochstraße 40 wohnten. Vater Jakob starb 1933 unter fragwürdigen Umständen in der Heil- und Pflegeanstalt Bonn, seine Witwe und die Kinder wurden nach Polen gebracht. Während sich die Spur von Lisa und Leo Orchan dort verliert, sodass sie für tot erklärt wurden, gelangten Felix und Hanna nach England, wo sie das NS-Regime überlebten.

Drei Gesamtschüler trugen vor dem Haus Hochstraße 40, in dem heute das Kino Galleria Arthouse untergebracht ist, die Geschichte der Orchans vor. Kino-Chef Sebastian Arenz ließ allen, die Demnig zum Teil über Stunden hinweg beim Verlegen der Steine begleiteten, mit Mineralwasser versorgen. Die Kinder lud er zusätzlich zu Popcorn ein.